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Düsseldorf (RP). Der Ruch des Vielschreibers hängt Georg Philipp Telemann an, der zwölf komplette Jahrgänge Sonntags-Kantaten, 40 Opern, 600 Orchesterwerke und 46 Passionen hervorbrachte. Und so ganz kann man auch bei der gelungenen Aufführung seiner Lukas Passion durch den Bachverein in St. Adolfus nicht an der beinahe industriellen Produktionsweise des Notentextes vorbeihören. Selten nur verlässt die Musik den sicheren Pfad des Handwerks, die immerhin auf dem Weg ist, die barocken Gefilde hinter sich zu lassen. Dann aber darf man mit Leib und Seele ergriffen sein. Die Klage-Aria des Chores ist solch ein Augenblick, der aus der Erzählung der Folterungen Jesu für einen berührenden Moment heraustritt - durch ein musikalisches Weh und Ach voll von Vorhalten und überraschende Wendungen in Moll. Hier sind die Sänger des Bachvereins auf der Höhe ihres Könnens, zeigen warme, klare, gut balancierte Tongebung, ein beachtliches Spektrum an Dynamik – und das trotz Schwächen in den Männerstimmen. Ja, Chorleiter Thorsten Pech hat gerade die emotionalen Passagen gut gearbeitet: die fugierten Barrabas-Rufe mit dem furiosen Schluss-Crescendo und das kurz-heftige "Kreuziget ihn!" etwa. Im Orchester hat Pech so kompetente Mitstreiter wie in den Soli. Außerordentlich gefällt der Tenor Patrick Henckens, der die Petrus- und Pilatus-Arien mit bruchlosem, kostbar timbriertem Klang zu Preziosen formt. Ebenfalls bestens disponiert zeigt sich der Bass Michael Haag mit hochvirtuosen Jesus-Arien. Carlos Petruzziello füllt die Evangelistenworte beredt und strahlend. Elena Fink kompensiert schwächelnde Mittellage durch saubere Spitzentöne und Verzierungskultur.
(ARMIN KAUMANNS)
Quelle: Rheinische Post, 11.03.2008
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